Fern von Europa

Tirol ohne Maske

Als Vorlage dient das gleichnamige Buch, welches vor 110 Jahren, also 1909  herausgegeben wurde und ganz Tirol in Aufregung versetzte. Wer war diese Person, die unter dem Pseudonym „Sepp Schluiferer“ diese Schmähschrift verfasste, in welcher die Tiroler als hinterwäldlerisch, dumm und einfältig dargestellt werden.

Die wesentlichen Eigenschaften der Tiroler seien unter anderen: der tiefe Glaube (aus einer Predigt: „Alles Unhail auf dera Wölt kchemt von denen, die wos koane Kchrischtn nöt sain.“) und ein kritischer Zugang zur Bildung (ein Pfarrer zum Kirchenvolk: „Kchrischtliche Mitbrida, i sog enk, mit’n les’n und schrei’m kchemt die Söl dem Teifel ima näha, bis daß oana o’fangt in dö Biach’ln zan les’n, wo steht, daß der Mensch vom Offn o’stommt.“).

Wenige Wochen nach dem Erscheinen des Buches wurde der Autor im Dezember 1909 enttarnt und musste vor dem Volkszorn nach München flüchten.

Es braucht nicht erwähnt zu werden, dass sämtliche Buchrezensionen in Tirol das Werk in der Luft zerrissen und die satirische Absicht nicht erkannten. Der „Tiroler Grenzbote“ sprach im Dezember 1909 von einem „elenden Machwerk“. Positive Kritiken gab es nur aus dem Ausland. In der „Münchner Post“ heißt es im Dezember 1909: „Ein köstliches Buch, eine Sammlung von Satiren über Tirol“, das auch einmal „die Schattenseiten des verhimmelten Touristen-Paradieses“ zeigt.

Im „Tiroler Wastl“, einem Innsbrucker Wochenblatt,  vom 25. November und vom 12. Dezember 1909 war zu lesen:

 „Ein Strolch allerordinärster Sorte gegen den ein Taschendieb noch ein Ehrenmann ist, hat vielleicht gar nur mit Hilfe eines Druckers, der seine Werkstatt aus Liebe zum Schmutz in einem Abort oder einer Senkgrube aufgeschlagen, ein Pamphlet auf Land und Leute von Tirol herausgegeben, das an ordinärster Gemeinheit alles bisher Dagewesene weit übertrifft. Der Lump, er nennt sich … Schluiferer . . . scheint demnach mitten unter uns zu leben. Das geht auch daraus hervor, daß der Kerl, für dessen Charakterisierung das Wort Schweinehund noch viel zu gut ist, über unsere Lokalverhältnisse ziemlich gut orientiert zu sein scheint oder dies vielmehr glaubt, denn in Wahrheit ist der Schuft so stockblind als unwissend und arrogant . . . Wer dieser Spottgeburt aus Dreck und Spürlicht nur einen Bissen Brot, nur einen Tropfen Wasser reicht, dem faule die Hand vom Leibe, und wer dieses Scheusal tötet und zu Aas macht, der sei gepriesen“

Diese Zeilen geben wohl den damaligen Hass der Bevölkerung wieder.

Nun kurz gesagt, der Autor lebte in Kufstein. Nachdem derzeit an dem Buch „Kufstein im 20. Jahrhundert“ gearbeitet wird, wollen wir auch Geschichten aus dieser Zeit theatralisch verarbeiten.

Regie: Hildegard Reitberger

Fern von Europa – Premiere